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RE-BLOG: 5 REASONS YOU SHOULD CONSIDER BECOMING AN ENTREPRENEUR

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WARUM KIMANZI CONSTABLE´S BLOGBEITRAG ZUM KOMMENTIEREN ANREGT

Ganz allgemein scheinen Menschen von Patentrezepten magisch angezogen zu werden. Eine Ziffer und die Beifügung "Schritte", "Gründe" oder "Hürden", und ein Klick auf den Artikel ist dem Blogger sicher. Das machen auch die Wirtschaftszeitungen so - in Österreich oder anderswo. Es suggeriert eine Strukturier- und Beherrschbarkeit eines beliebigen Themas. Auch wenn es oberflächlich anmutet, die Pointierung schafft aber auch tatsächlich schnellen Einblick in die Gedankenwelt des Autors.

Kimanzi Constable nimmt in seiner kurzen Einleitung seines Blog Beitrags vorweg, dass natürlich nicht jeder Mensch geeignet ist Entrepreneur zu sein. Seine Begründung - Freiheit in der Zeiteinteilung und hohes mögliches Einkommen  - klingen dann doch etwas wie aus einer Kleinanzeige eines Wärmedecken Strukturvertriebes. Verstehen wir in Europa Entrepreneurship so viel anders als Kimanzi?

#1: The opportunity to control your destiny / Die Chance das eigene Schicksal zu bestimmen.
Mit Entrepreneurship geht mehr einher als die angeführte Flexibilität in der Zeiteinteilung, die ein 9 to 5 Job nicht ermöglicht. Der Titel bringts ja eigentlich ganz gut rüber. Es geht um die Übernahme von Selbstverantwortung für sein eigenes Tun. Am Ende des Tages ist man immer selbst verantwortlich für die Reaktion anderer auf einen selbst. Unselbständiges Arbeiten muss deswegen noch nicht angeleitetes Arbeiten bedeuten, ohne jede Möglichkeit seine eigenen Ideen Einzubringen. Entrepreneurship kann man auch als Angestellter leben - zumindest in einem bestimmten Ausmaß. Wer sich also verwirklichen will muss nicht gleich morgen seinen Job kündigen.

#2: Freedom of spending your time doing what´s important to you / Die Freiheit die Zeit für jene Dinge zu verwenden, die einem wichtig erscheinen.
Da klingt sehr stark danach, das (angestellte) Arbeit ein Leid darstellt dem nur durch Selbständigkeit entgangen werden kann. Das ist eine für mich schon lange nicht mehr gehörte Argumentation, die den Intellekt des Lesers zu wenig fordert, schade eigentlich.

#3: Unlimited earning possibilities / Unendliche Verdienstmöglichkeiten.
Das ist schon etwas reißerisch und mag den überaus ambitionierten Gründer womöglich etwas vorgaukeln. Nämlich dass es einfach wäre und zudem eine automatische Folge des Gründens. Weit gefehlt. Zeit ist ein knappes Gut, ja. Mal einen Tag einfach nicht zu arbeiten ist vermutlich nicht die richtige Empfehlung oder Motivation. Natürlich bieten die meisten Jobs nicht die unlimitierte Verdienstmöglichkeit, wer seine Arbeit gut macht und darüberhinaus sich weiter für das Unternehmen einsetzt, dessen Leistung wird sicher irgendwann bemerkt und honoriert. Der von Kimanzi skizzierte Gründer sollte sich zudem unbedingt die Frage stellen, wer später in seinem Unternehmen arbeiten soll, wenn es doch nur die Extrempole gibt. Wie sollen Mitarbeiter in einem wachsenden und sich entwickelnden Startup motiviert werden? Die Währung Anteile am Unternehmen ist auch ein knappes Gut.

#4: Location independence/ Ortsungebundenheit. Es stimmt tatsächlich, dass wir mit den Segnungen des Internet weitgehend die Ortsgebundenheit vieler Unternehmen aufheben. Bürojobs müssen nicht zwingend in einem bestimmten Büro ausgeübt werden, Dienstleistungen wurden ohnehin schon sehr oft beim Kunden erbracht, aber selbst im produzierenden Bereich wird es in den nächsten Jahren zu einer deutlich höheren örtlichen bzw. geographischen Flexibilität kommen. Das trifft heute schon jeden Mitarbeiter von Unternehmen, die alleine aus Kostengründen fixe Arbeitsplätze reduzieren wollen. Dem Entrepreneur steht es frei - je nachdem in welcher Branche er unterwegs ist, mehr oder weniger - seine Arbeit zu verrichten wo auch immer er gerade sein mag. Wenn er gerne reist, so kann er auch von da aus arbeiten. Aus der Sehnsucht zu reisen Entrepreneur zu werden klingt für mich nicht automatisch logisch. Jedenfalls bedarf es mehr dazu. Notwendig ist es jedenfalls viel Eigenverantwortung an den Tag zu legen. Es wird schwer sein, jemanden anderen als sich selbst für seinen geschäftlichen Erfolg verantwortlich zu machen. Eine Einstellung deren Verbreitung erst weiter gefördert werden muss.

#5: The chance to leave a lasting legacy / Die Chance etwas Nachhaltiges zurückzulassen. Der fünfte Grund, den Kimanzi anführt, birgt ein wenig Visionspotenzial, das gefällt mit. Wer mit Passion an seinem neuen "Ding" arbeitet, hat auch die Chance, es an nachfolgende Generationen weiter zu geben. Dass dies das Gros der Gründer erreichen werden, ist mehr als fraglich. Jens Peters von Spidercam hat es geschafft. Entrepreneure sind Leute die Verantwortung übernehmen für sich und ihr Umfeld, die meist eingefahrene Spielregeln als einengend betrachten und keine Ambition haben Mittelmaß zu leben oder zu arbeiten. Deartige Einstellungen sind zu unterstützen, vom Staat von der Gesellschaft, vom persönlichen Umfeld. Weil sie in der Lage sind unsere Welt zu verbessern.

Was nicht geschehen darf jedoch, ist Entrepreneurship und die Startup Szene zu domestizieren. Sonst kommen bald die ersten "Entrepreneure", die meinen sie hätten es nicht geschafft weil Sie nicht genügend unterstützt wurden, zu wenig Zeit gehabt haben, zu viel arbeiten mussten oder zu wenig entscheiden konnten. Entrepreneure werden Entrepreneure weil sie genau dafür die Verantwortung selbst übernehmen wollen. Das ist der #1 Grund aus meiner Sicht. Alles andere kommt von alleine.

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